Briefgold macht sich Sorgen um deutsche Dialekte
Briefgold hat recherchiert: Dreizehn Sprachen in Deutschland sind auf der UNESCO-Liste bedrohter Sprachen. Kiezdeutsch, der Jargon der innerstädtischen Jugendlichen, ist keine dieser Sprachen. “Ich geh Morgen Kino ” , würde ein junger Kreuzberger aus Berlin sagen. Im Hochdeutsche wäre das: “Morgen werde ich ins Kino gehe”. Das Verb an zweiter Stelle gesetzt, um den zweiten Platz und mit dem fehlenden Richtungsdeuter “in das”. Worte aus dem Türkischen (z.B. lan , Bedeutung umgangssprachlich: “Alter”) und Arabischen ( Yalla! , oder “Komm schon!”) könnten auch hin und wieder aufkommen.
Sie hören diese Sprache in Berlin und anderen großen Städten. Die meisten Deutschen gehen davon aus, dass diese “Lautmaler” Einwanderer oder deren Kinder sind. Nicht unbedingt, meint Heike Wiese, eine Linguistin an der Universität Potsdam, die ein neues Buch zum Thema geschrieben hat. “Alle Arten von Kindern in mehrsprachigen Gebieten, einschließlich derjenigen mit deutschen Wurzeln, sprechen Kiezdeutsch”. Es gibt ausländische Analogien: straattaal (Sprache der Straße) im Niederlanden; Rinkeby-svenska, aus dem für eine multi-ethnische Nachbarschaft bekannten Stockholm.
Umgang mit Neuem
Solche Stellungnahmen können manche Menschen in Rage bringen. In einigen Fällen sogar genug, um Frau Wiese obszöne E-Mails zu senden. Mindestens ein Drittel der Kinder mit nicht-deutschen Wurzeln und ein Zehntel derer, die in deutschsprachigen Häusern aufwachsen, sprechen kein richtiges Hochdeutsch. Es sei denn sie lernen früh genug, dass es schwer für sie wird Beschäftigung zu finden und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie in die Arbeitslosigkeit getrieben werden, wenn sie es im offiziellen Kontext oder bei Bewerbungsgesprächen nicht schaffen, Hochdeutsch zu sprechen. Und Kiezdeutsch zu plappern anstelle von richtigem Hochdeutsch kann auch interpretiert werden als Akzeptanz einer parasitären Zukunft.
Entspannter Umgang
“Kiezdeutsch ist kein Dialekt, sondern eine Art des Sprechens”, sagt Helmut Glück, Professor für Germanistik an der Universität Bamberg. Solche Sprecharten entwickeln sich oft bei Studenten, Soldaten und anderen Gruppen, um ein Gefühl der Zugehörigkeit zu fördern. Puristen beklagen die geschrumpfte Grammatik und den verminderten Wortschatz. Doch Kiezdeutsch ist nicht “Gebrochendeutsch”, betont Frau Wiese, obwohl sie denkt, dass Jugendliche auch die Standard-Sprache sprechen sollten. Es ermutigt jedoch die Vermischung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, und nicht Ausgrenzung. Integration ist das Zauberwort, welches in Deutschland schon lange ein Reizthema ist, da der Staat viele Jahrzehnte sich damit nicht beschäftigt hat und seitdem er es tut es eher inadäquat. Einige Kiezdeutsch-Sprecher sehen das Stigma sogar positiv. Der Jargon enstand und wurde populär mit “Kanak Sprak”, ein Buch, das im Jahr 1995 veröffentlicht wurde. Comedians haben den Trend noch verstärkt. Jetzt hört man bereits Echos unter Jugendlichen, die noch nie einen Fuß nach Kreuzberg gdsetzt haben, von Kiezdeutsch. Kiezdeutsch wird bleiben, lan.
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